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	<title>Fantasy-Thriller von Nat Colder</title>
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	<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 08:34:58 +0000</pubDate>
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		<title>Rattenblut - Folge 6</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jan 2007 01:28:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nat Colder</dc:creator>
		
		<category>Fantasy-Romane</category>

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		<description><![CDATA[- 6 -
Hologo ließ sich seine Erregung nicht anmerken. Warum hatte Paolo die Fahrt übernommen? Er hatte ihn doch vor Carlo gewarnt.
„Könnten Sie mich heute als ortskundige Führerin ins Valle Maggia begleiten?“
„Ja, natürlich. Ich habe nichts vor. Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes sehen?“
„Nein, ich wollte eigentlich nur das Tal abfahren und einzelne Dörfer kennen lernen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center">- 6 -</p>
<p>Hologo ließ sich seine Erregung nicht anmerken. Warum hatte Paolo die Fahrt übernommen? Er hatte ihn doch vor Carlo gewarnt.</p>
<p>„Könnten Sie mich heute als ortskundige Führerin ins Valle Maggia begleiten?“</p>
<p>„Ja, natürlich. Ich habe nichts vor. Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes sehen?“</p>
<p>„Nein, ich wollte eigentlich nur das Tal abfahren und einzelne Dörfer kennen lernen. Ich habe einen Pajero gemietet und würde Sie abholen.“</p>
<p>„Gut, und wo wollen wir uns treffen?“</p>
<p>„In Locarno am Bahnhof, in etwa einer Stunde. Wie erkenne ich Sie ?“</p>
<p>„Ich werde Sie nicht verfehlen, mein Vater hat Sie mir gut beschrieben.“</p>
<p>Hologo wechselte die Jacke. Er steckte sein zweites Mobiltelefon in die Tasche und legte den Gürtel so an, daß die Messer nicht sichtbar waren. Prüfend schaute er in den Spiegel und verließ dann das Zimmer. An der Rezeption hatte noch dieselbe Dame Dienst.</p>
<p>„Haben Sie eine Nachricht für mich?“</p>
<p>„Herr Lätti hat angerufen, Sie möchten sich bei ihm melden. Sonst war nichts für Sie.“</p>
<p>„Danke. Ach, ich werde mir heute einiges in der Gegend anschauen. Möglicherweise werde ich übernachten müssen. Nur daß Sie Bescheid wissen.“</p>
<p>„Ich werde es meiner Kollegin, die mich ablöst, mitteilen. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“</p>
<p>„Nein.“ Hologo drehte sich um und verließ das Hotel. Er spürte, wie sie ihm misstrauisch nachsah. Schnell stieg er in den Wagen und fuhr nach Locarno.</p>
<p>Der Bahnhofsplatz hatte sich geleert. Nur noch zwei Taxen standen am Haupteingang. Hologo parkte davor und stieg aus. Es überraschte ihn nicht, daß Carlo nicht mehr da war.</p>
<p>„Hallo, ich bin Gilda, die Tochter von Paolo. Ich habe Sie nach der Beschreibung gleich erkannt. Außerdem ist das der einzige Pajero hier.“</p>
<p>Eine hübsche junge Frau kam auf ihn zu. Ihr strahlendes Lächeln, die leicht belustigten Augen in dem gebräunten Gesicht und ihre ungezwungene Art machten sofort einen sympathischen Eindruck auf ihn. Lässig, den kleinen Rucksack über ihre Schulter gehängt, sah sie ihn fragend an.</p>
<p>„Hologo. Schön, daß Sie Zeit haben. Ich erkläre Ihnen unterwegs, was mich vor allem interessiert. Übrigens, hat sich Ihr Vater gemeldet?“</p>
<p>„Nein. Ist da irgendetwas nicht in Ordnung?“</p>
<p>„Ich weiß es nicht.“</p>
<p>Verunsichert stieg sie in den Wagen und legte ihren Rucksack auf den Rücksitz.</p>
<p>„Ein komisches Gepäckstück haben Sie da. Sind Sie Angler?“</p>
<p>Wortlos setzte sich Hologo hinter das Steuer und fuhr los. Hinter Locarno bog er in das Valle Maggia ein. Das Tal war hier sehr breit und ausschließlich durch das milde Klima geprägt. Es wuchsen Wein, Zitronen und Palmen, während an den Rändern das Grün der Birken und Linden schimmerte.</p>
<p>„Hier im unteren Teil herrscht mehr das Mediterrane. Sie sehen es an der Flora. Weiter oben beginnt das Alpenländische, eine raue und sehr karge Landschaft. Nach Cevio, der Ort, wohin mein Vater gefahren ist, beginnen die einzelnen Nebentäler. Sie haben auch ihren Reiz, doch die wärmeren Gebiete sind mir lieber.“ Gilda drehte den Kopf zu Hologo hin und kniff die Augen zusammen. „Sie sehen nicht so aus, als ob Sie einen Fremdenführer nötig haben. Warum wollten Sie, daß ich Sie begleite, ist es wegen Vater?“</p>
<p>„Nicht nur. In den abgelegenen Dörfern wird oft ein italienischer Dialekt gesprochen, der schwierig zu verstehen ist. Sie sollen mir bei der Verständigung helfen. Und nun erzählen Sie, was Sie über Peccia und Fusio wissen.“</p>
<p>Ihrem Gesichtsausdruck nach schien Gilda zu überlegen, ob sie dies glauben sollte.</p>
<p>„Beide Dörfer liegen in einem Nebental, dem Val Lavizzara. Peccia ist berühmt durch seinen Marmor, und es leben nur 30 Menschen dort. Fusio ist der letzte Ort des Tales, hat 50 Einwohner und liegt unterhalb des Sambuco-Stausees. Wahrscheinlich wird es nur durch das kleine Sanatorium am Leben gehalten, das seit zwei Jahren existiert.“</p>
<p>„Ein Sanatorium?“</p>
<p>„Tja, eigentlich weiß ich nichts Genaues darüber. Ein russischer Arzt soll dort Privatpatienten mit einer Therapie behandeln, die er selbst entwickelt hat. Er muss wohl ein größeres Vermögen besitzen oder besessen haben, sonst hätte er nicht drei Häuser kaufen und zu einem gemeinsamen Sanatorium umbauen können.“</p>
<p>„Woher kommen denn die Patienten?“</p>
<p>„Es sollen vermögende Leute sein, die sich hier um den Lago Maggiore herum, niedergelassen haben. Lara hat uns erzählt, daß Rino, ihr Mann, schon viele hingebracht hat. Wer das im Einzelnen war, wusste sie aber nicht.“</p>
<p>Die Straße begann allmählich anzusteigen. Hologo hatte keinen Blick mehr für die Schönheiten des Tales. Sie durchquerten Maggia und Cevio. Das südländische Flair war längst verflogen. Felswände, zerfurcht von wilden Wasserfällen, umschlossen nun das enger werdende Tal.</p>
<p>Hologo überlegte. Rino fuhr nicht nur den Professor nach Fusio, er transportierte auch potentielle Patienten zum Sanatorium. Außerdem machte er Fahrten mit honorigen Einwohnern von Ascona. Er musste sich unbedingt dieses Sanatorium anschauen. Vielleicht fand er dort eine Erklärung für die mysteriösen Ereignisse im Tal und in Ascona. Wenn Rino damit etwas zu tun hatte, war er sicherlich das schwächste Glied in der Kette.</p>
<p>Bevor sie Péccia erreichten stoppte Hologo den Wagen an einer Bushaltestelle.</p>
<p>„Ich muss kurz telefonieren.“</p>
<p>„Soll ich aussteigen?“</p>
<p>„Nein. Beobachten Sie die Straße, ob uns jemand folgt.“</p>
<p>„Warum sollen wir denn verfolgt werden?“</p>
<p>„Das erzähle ich Ihnen später.“</p>
<p>„Hallo Hagen, Horatio. Hast Du mit dem Biologen gesprochen?“</p>
<p>„Ja. Die Etymologie und die Entwicklungsgeschichte lasse ich weg. Ich nehme an, daß Du nur an dem Erscheinungsbild und an dem Verhalten interessiert bist.“</p>
<p>„Hagen, ich bin in einem Tal, und die Verständigung ist sehr schlecht.“</p>
<p>„Gut Horatio, ich werde es Dir in Stichworten erläutern. Es gibt die Haus- und die Wanderratte. Ursprünglich waren sie im südlichen Asien beheimatet. Das Verbreitungsgebiet wurde durch den Menschen infolge Verfrachtung und Einbürgerung stark erweitert. Die Hausratte gibt es in vielen Unterarten. Sie ist meist schwarz-grau, variiert aber in der Farbe. Sie liebt Trockenheit und Wärme und klettert und schwimmt sehr gut. Schiffsratten sind Hausratten und fressen Pflanzen, manchmal auch Fisch. Die Wanderratte ist die gefährliche. Sie ist größer. Ihr Fell ist vorwiegend braun-grau, kann auch heller sein. Der 18 cm lange Schwanz weist Schuppenringe auf. Die Tiere sind sehr anpassungsfähig und leben in Rudeln, die fest zusammenhalten, sich gegenseitig helfen und sich gemeinsam verteidigen. Sie brauchen Feuchtigkeit, schwimmen ebenfalls gut und sind Allesfresser. Ratten sind sehr fruchtbar und außerordentlich lebenstüchtig. Ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Intelligenz beruhen auf der harten Auslese der Nachkommenschaft. Die schwachen Artgenossen werden gefressen. Ihr Hauptfeind ist hier in Europa nur die Katze, in Asien sind es die Giftschlangen, wie z.B. die Kobra. Hast Du alles gut verstanden?“</p>
<p>„Danke Hagen. Bin ich überprüft worden?“</p>
<p>„Ja, es kam eine Anfrage von der Polizeistation in Ascona, von einem Commissario Baldoni.“</p>
<p>„Gut, ich melde mich wieder bei Dir.“</p>
<p>Hologo startete wieder den Pajero.</p>
<p>„Was geht hier eigentlich vor?“ Gildas Augen hatten den unbekümmerten Ausdruck verloren.“ Ist mein Vater in Gefahr?“</p>
<p>„Ich glaube ja.“</p>
<p>„Aber warum?“ Hängt das irgendwie mit den Ratten zusammen, von denen er mir erzählt hat? Das wäre verrückt. Diese Tiere sind für Menschen nur gefährlich, weil sie viele Krankheitserreger übertragen können. Wissen Sie, wer die heimlichen Stars der Medizin sind? Das sind die Laborratte und die Labormaus. Sie eignen sich hervorragend für medizinische Tests und Experimente, da ihre genetischen Strukturen dem Menschen sehr ähnlich sind. Ansonsten sind sie nur Schädlinge, da sie die Lebensmittelvorräte fressen. In Indien werden sie sogar verehrt.“ Ängstlich sah sie zu Hologo hin, der regungslos hinter dem Steuer saß.</p>
<p>Ähnliche Genetik, Labor, Ratten, der Professor und das Sanatorium; Genetik war die Gemeinsamkeit, das Bindeglied, nach dem er gesucht hatte. Hologo war sich nun absolut sicher, daß hier der Schlüssel für die ganzen Vorfälle zu finden war. Unbewusst hatte ihm Gilda das fehlende Mosaiksteinchen geliefert. Welche Experimente hat Professor Ludowski in seinem Labor durchgeführt? Könnten, bei einer fast identischen Genetik von Mensch und Tier, Transformationen durchgeführt werden?  Der Gedanke war nicht nur abwegig, er war einfach utopisch. Und doch, er dachte an die Katze der älteren Dame im Hotel, an die fahlen Gesichter und das strategische Verhalten der Ratten.</p>
<p>„Sie haben mich nur mitgenommen, weil Sie glauben, daß auch ich wahrscheinlich gefährdet bin, oder etwa nicht.“ Mit dieser lakonischen Feststellung versuchte Gilda ihre aufkommende Angst zu überspielen. Unruhig drehte sie sich auf dem Sitz in und her. „Bei den vielen ankommenden Touristen musste mein Vater ausgerechnet Sie fahren. Ist er deshalb in Gefahr?“</p>
<p>„Könnte sein.“ Hologo erinnerte sich an die toten Tiere in Ascona und daran, was Hagen ihm berichtet hatte. Fester Zusammenhalt, gemeinsame Verteidigung, in Rudeln lebend, das waren die Merkmale der Wanderratte. Er hatte Wanderratten getötet, und Paolo hatte einmal zugesehen. Wie sind sie hierher gekommen und was war mit den Hausratten, die es überall in der Städten gab, passiert?</p>
<p>Langsam fuhren sie durch Péccia hindurch. Plötzlich schrie Gilda auf. Am Ortsausgang stand an einer Osteria das leere Taxi von Paolo. Hologo hielt auf der anderen Straßenseite den Wagen an. Gilda öffnete sofort die Tür.</p>
<p>„Warten Sie, steigen Sie nicht aus!“ Die Stimme Hologos hatte einen harten, befehlenden Klang angenommen. Irritiert schlug Gilda die Tür wieder zu.</p>
<p>„Ich möchte ja nur nachsehen, ob er in der Osteria sitzt.“</p>
<p>„Nein, bleiben Sie hier. Ich möchte mich zuerst alleine umsehen. Können Sie mit dem Pajero umgehen?“</p>
<p>„Natürlich, ich habe den Führerschein hier auf einem Geländewagen gemacht.“</p>
<p>„Setzten Sie sich hinter das Steuer und lassen Sie den Motor laufen. Ich schaue mich  in der Osteria um.“</p>
<p>Eingeschüchtert durch den barschen Ton, rückte Gilda wortlos auf die Fahrerseite, als Hologo ausstieg.</p>
<p>Vorsichtig näherte sich Hologo der Osteria. Der Gastraum lag auf der gleichen Höhe wie die Straße, so daß er von außen einzusehen war. Bevor er hinein ging, blickte er durch die Fenster, um sich die Räumlichkeiten einzuprägen. Und dann sah er ihn. Am ersten Tisch neben der Eingangstür saß der junge Mann aus dem Hotel und starrte ihn vollkommen überrascht durch das Fenster an.</p>
<p><a title="Rattenblut Folge 7" href="/rattenblut-folge-7/">Rattenblut Folge 7</a>
</p>
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