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Hologo verstaute die Llama in seiner Jackentaschen und hob sein Gewehr auf. Er überprüfte das Magazin und stellte erstaunt fest, dass es noch voll geladen war. Alfio hatte wohl nur seine Pistole benutzt. Angespannt richtete er sich auf und ließ seine Blicke über den Parkplatz schweifen. Doch nichts rührte sich. Die Stille, die sich ausgebreitet hatte, wurde nur durch einige entfernte Pfiffe, die aus dem Ort kamen, unterbrochen. Sonst war nichts zu hören. Er sah sich nochmals um. Die meisten Autos standen noch da, anscheinend konnten nur wenige flüchten, die an dieser Orgie teilgenommen hatten. Nachdenklich ging er zu dem Pajero, den Gilda an der Brücke abgestellt hatte. Die Fahrertür stand weit offen, der Schlüssel steckte im Zündschloss. Die Waffe, die Lätti Gilda überlassen hatte, lag in den Splittern der Frontscheibe auf dem Wagenboden.
„Horatio!“ Atemlos kam Gilda angerannt und deutete auf die toten Männer. „Was ist mit Alfio?“
Hologo schüttelte nur den Kopf, kniff die Augen zusammen und griff nach seinem Mobiltelefon. „Schau nach, ob Du in den verschieden Wagen Ersatzkanister mit Benzin findest. Ich werde versuchen die Signora zu erreichen.“
Gilda nickte, sie hatte verstanden. Schnell holte sie die Pistole aus dem Pajero und ging zu den geparkten Autos. Nur bei zwei Wagen musste sie die Scheiben einschlagen, alle anderen waren nicht abgeschlossen.
Während Hologo die Signora anrief, kamen Lätti mit Mignon und dem Mädchen über die Brücke. Als das Mädchen die Leichen sah, schluchzte sie auf, und Lätti konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie auf den Boden fiel. Sie war wieder ohnmächtig geworden. Mit Hilfe von Mignon trug er sie zu seinem Wagen und legte sie auf den Rücksitz. Anschließend redete er beruhigend auf Mignon ein, die sich wieder an ihn geklammert hatte. Zögernd ließ sie los und setzte sich auf den Beifahrersitz. Mit einem angedeuteten Lächeln wandte er sich ab.
„Signora, ich bin es, Hologo. Ist Mario bei Ihnen?“
„Ja“
„Er soll sofort mit seinem Leichenwagen nach Fusio kommen.“ Hologo hörte, wie die Signora tief durchatmete
„Wer?“
„Alfio.“
Hologo glaubte schon, das Gespräch wäre unterbrochen worden, da die Signora überhaupt nicht mehr reagierte.
„Signora, hallo, Signora!“
Erst nach einigen Minuten antwortete sie mit tonloser Stimme. „Ich werde Mario begleiten und Alfio abholen.“
„Gut, wir warten auf Sie. Ich denke spätestens in einer Stunde können Sie hier sein. Die Wetterbedingungen hier oben sind gut, der Nebel hat sich vollständig aufgelöst.“
„Bis in einer Stunde, Hologo. Ach, was ist mit Gilda und Lätti?“
„Sie sind am Leben.“
„Das ist gut.“ Jetzt klang die Signora wieder, wie er sie in der Osteria kennen gelernt hatte.
Während er die Telefonnummer von Hagen Steiger wählte, gingen ihm die letzten Worte von Rino durch den Kopf. Was hatte er damit gemeint? Lara hat…… Lara wird, und warum hatte er so triumphierend gelächelt?
„Ja?“
„Horatio.“ Da die Verbindung seht schlecht war, berichtete Hologo nur in Stichworten, was sich ereignet hatte.
„Was wirst Du jetzt tun?“
„Wir werden das Sanatorium niederbrennen, um alle Spuren zu beseitigen. Dann suche ich die Königin und die zwei Ampullen.“
„Hast Du eine Vermutung, wohin sie geflohen sein könnte?“
„Ich glaube, ich finde sie auf den Brissago – Inseln. Sie und ihr Begleiter sind mit dem Sekretär der Gräfin geflohen. Bei der Gräfin lebte seit einigen Jahren eine junge Frau, die aber tagsüber noch niemand gesehen hatte. Nur wenn dort ein Fest veranstaltet wurde, stellte die Gräfin sie nach Mitternacht den eingeladenen Personen als ihre Nichte vor. Ich bin sicher, dass sie die Königin ist.“
„Du meinst, nachts hatte sie sich umgewandelt, am Tage war sie die riesige Ratte, von der Du mir erzählt hattest?“
„Ja.“
„Mhm, meinst Du, die Ampullen sind auch dort?“
„Ich weiß es nicht.“
„Gut, Horatio, ich werde meine politischen Verbindungen spielen lassen, dass das Feuer im Sanatorium als schrecklicher Unfall in der Presse dargestellt wird. Ist dieser Lätti vertrauenswürdig und verschwiegen?“
„Absolut, vielleicht könnte er der Nachfolger von Commissario Baldoni werden.?“
„Ich werde es versuchen.“
„Noch etwas, Hagen. Ich habe eine neue Kriegerin gefunden, sie muss nur noch ausgebildet werden.“
„Ist es dieses Mädchen Gilda, das soviel erleiden musste?“
„Sie ist es.“
„Du hast, ob sich jemand eignet oder nicht, immer richtig entschieden. Bring sie, wenn alles vorbei ist, zu Deinem Meister. Anschließend lasse ich sie bei unserem Scharfschützenexperten ausbilden.“
„Ich danke Dir, Hagen, ich melde mich morgen oder spätestens übermorgen bei Dir.“
In Gedanken versunken, schaute Hologo zu Gilda und Lätti hin, die mit Kanistern auf ihn zukamen. Was hatte Rino gemeint? Lara war seine Frau, hatte sie auch mit der Sache zu tun?
Lätti und Gilda stellten inzwischen vier Benzinkanister ab und sahen ihn fragend an.
Er verwarf diese Überlegung und konzentrierte sich wieder auf die jetzige Situation. „Ruodi, Du bleibst hier und wartest auf die Signora und Mario. Gilda und ich bringen die Kanister in das Sanatorium. Steckt in irgendeinem Wagen der Zündschlüssel?“
„In dem Fiat, ganz hinten. Sollen wir da die drei Leichen verstauen?“ Ruodi wusste sofort, was Hologo vorhatte.
„Hilf mir, wir setzen sie auf die Rückbank. Ich werde, dann den Wagen an einer Kurve abstürzen lassen. Es soll wie ein Unfall aussehen.“
Nachdem sie die toten Männer in den Wagen gebracht hatten, nahm Hologo die Kanister und lief mit Gilda zum Sanatorium.
Schweigend schaute Lätti den beiden nach. Dann ging er zu seinem Wagen. Mignon hatte sich umgedreht und streichelte das ohnmächtige Mädchen. Schluchzend liefen aus ihren aufgerissenen Augen die Tränen. Jetzt erst schien ihr klar zu werden, was eigentlich passiert war. Blitzartig durchzuckte ihn ein Gedanke, und er spürte, wie er errötete. Mignon und er hatten hier Schlimmes erlebt, beide verloren sie einen nahe stehenden Menschen. Vielleicht wäre, wenn die innerlichen Wunden verheilt sind, auch in irgendeiner Weise ein gemeinsames Leben möglich? Doch bevor daran überhaupt zu denken war, mussten die Königin und ihre Begleiter vernichtet werden.
Plötzlich schreckte er auf. Fauchend und zischend rannten einige Ratten über die Brücke und verschwanden im Unterholz auf der anderen Seite des Parkplatzes.