Rattenblut - Folge 31
Montag Juli 30th 2007, 00:16
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Hologo stürmte mit hoch erhobenem Bandschwert hinein. Lätti, der hinter ihm lief, zerbiss sich seine Lippen, als er sah, was sich da abspielte.

Um den Tisch, auf dem Gilda lag, hielten sich einige der Frauen und Männer an der Hand, tanzten und grölten, während Rino mit lautem Stöhnen in Gilda eindrang. Culocca stand davor und zog mit einem hässlichen Lachen seine Hose hoch. Er hatte wohl Gilda schon missbraucht.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

An dem jungen Mann, der anscheinend schon tot war, knieten einige Kreaturen und stritten sich um Fleischfetzen, die sie ihm herausgerissen hatten.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Immer mehr geriet die Menge in Ekstase.

Das junge Mädchen lag mit aufgeschlitztem Bauch in der Ecke, und einige der Rattenmenschen nagten an ihren Eingeweiden.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Baldoni und seine Tochter wurden währenddessen von einer johlenden Meute durch den Raum gejagt.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Auf der Bühne zerschnitt Pjotr einem sehr jungen Mädchen mit einem Messer das Kleid, und band es mit dem Rücken auf einem kreuzähnlichen Tisch fest.

„Luzifer,“ mit einem teuflischen Schrei war die Königin vorgetreten. „Wir sind Dein Blut, und ich bin Deine Königin.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

„Das erste Blut dieser Jungfrau, das Blut der Defloration soll Dir gewidmet sein. Für Dich werden wir sie ans Kreuz schlagen, denn Du bist unser Gott.“ Ihre Stimme wurde immer schriller, als sie sich Baldoni zuwandte. „An Deiner Tochter wird uns Pjotr seine Kunst der Folter vorführen. Was dann von ihr übrig bleibt, wird ein kleiner Nachtisch für unsere Freunde hier sein.“ Mit einem hässlichen Lachen zeigte sie auf die tobende Menge. „Keiner hält uns auf, Dich werden wir später bestrafen, nachdem wir unser Fest gefeiert haben. Verräter wie Du, bekommen eine besondere Behandlung. Pjotr wird Dir bei lebendigem Leib das Herz herausreißen und es auf das Grab Deiner Frau legen.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Lätti lief auf die Bühne zu. Aus den Augenwinkeln sah er das Blitzen der Klinge von Hologos Bandschwert, und einzelne, die um Gilda herum tanzten, brachen blutüberströmt zusammen.

„Hologo!“ Wie ein geprügelter Hund heulte Kurow auf. „Tötet ihn!“ Sein Gesicht verzerrte sich zu einer fratzenhaften Maske. Außer sich vor Wut zog er eine Pistole und fing an unkontrolliert auf Hologo zuschießen. Pjotr reagierte blitzschnell, als er Lätti sah. Er sprang von der Bühne herunter, griff sich eine Rattenfrau und hielt sie als Schutzschild vor seinen Körper. Lätti stürzte auf ihn zu und feuerte, bevor Pjotr seine Waffe ziehen konnte. Die ersten Kugeln trafen den Oberkörper der Frau, die lautlos zusammensackte. Pjotr ließ sie fallen und versuchte noch zur Seite auszuweichen, doch es war zu spät. Lätti hatte ununterbrochen weiter geschossen, und Pjotr brach tödlich getroffen zusammen. Jetzt erst hörte Lätti die schrillen Schreie von Kurow und der Gräfin.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenb……….“

Einigen der tanzenden Meute blieb der einpeitschende Gesang im Halse stecken, als Hologo ihnen mit seinem Rasiermesser scharfen Schwert die Hälse aufschlitzte.

Lätti feuerte bis sein Magazin leer war. Überall lagen nun die toten Körper in ihren Blutlachen. Ein leicht süßlicher Duft breitete sich nun aus und versetzte alle in einen wahren Blutrausch.

„Ja, Rattenblut, Rattenblut.“ Manche stürzten sich auf die blutenden Leichen und fingen an zu fressen, andere wälzten sich in den Blutlachen und versuchten zu trinken. Dann begannen einzelne sich gegenseitig anzufallen. Die Meute kreischte und geriet vollends in Panik

„Kurow, du Hund!“ Baldoni war zu dem toten Pjotr gerannt und hatte ihm mit der linken Hand die Pistole aus der Tasche gezogen. Mühsam zielte er auf Kurow, der wie gelähmt auf die außer Kontrolle geratene Menge blickte. Zwei Schüsse von Baldoni streiften Kurow an den Beinen, der dritte durchschlug die Halsschlagader. Mit einem gutturalen Röcheln fiel er auf den Boden.

Zufrieden richtete Baldoni sich auf und wollte nach seiner Tochter sehen. Da trafen ihn mehrere Schüsse in den Rücken.

„Verräter!“ Voller Hass hielt die Gräfin eine kleine Pistole in der Hand und schoss das Magazin leer.

Lätti sah kurz zu Hologo hin. Um den Tisch, auf dem Gilda festgebunden war, lagen viele Leichen. Rino und Culocca versuchten mit anderen zu fliehen, doch Hologo hatte sie in eine Ecke getrieben.

Plötzlich war der Blutrausch zu Ende, und die meisten begannen zu fliehen. Lätti nahm die Waffe, die Baldoni noch im Tode in der Hand hielt, und eilte zu Hologo.

„Ruodi, bewache sie, Gilda werden wir später losbinden.“ Langsam ging Hologo auf die Bühne zu.

Bellona war noch bleicher als sonst und fauchte wie ein verletztes Tier. Die Gräfin drückte immer wieder ihre leere Waffe ab und schrie irgendetwas auf Russisch ihrem Sekretär zu, der hinter ihr stand. Nur die Königin und ihr Begleiter verhielten sich ruhig. Höhnisch blickten sie auf Hologo herunter.

Hologo hatte schon vorher das Gefühl gehabt, dass er die Königin schon einmal gesehen hatte. Und jetzt, als er diese schwarzen, stechenden Augen sah, war er sich sicher. Er hatte diese Augen auf dem Monte Verita und in Ascona gesehen. Die Königin war die große Ratte, die ihn gemustert und geprüft hatte.

„Na Hologo, erinnerst Du Dich. Wir kennen uns. Ich wusste, dass Du ein gefährlicher Gegner bist.“ Mit einem verächtlichen Auflachen zeigte sie auf Pjotr, Baldoni und Kurow. „Du kannst uns trotzdem nicht aufhalten. Ich habe alles, was für die Ausbreitung unserer auserwählten Rasse notwendig ist.“ Dann drehte sie sich abrupt um, lief zu der hinteren Tür, und Hologo sah einen glatten, haarlosen Schwanz unter dem schwarzen Kleid herausragen.

„Nein!“ Mit einem gellenden Aufschrei stellte sich die Gräfin hinter die Königin. Das Wurfmesser von Hologo traf sie genau zwischen den Schulterblättern. Ohne auf die zusammensinkende Gräfin zu achten, flüchteten die Königin, ihr Begleiter und der Sekretär.

Bellona stand wie erstarrt da. Anscheinend war ihr die Veränderung der Situation noch nicht richtig bewusst geworden.

Hologo sah sie nachdenklich an, dann steckte er sein Bandschwert zurück. Sein Gang wirkte steif und hölzernd, als er zu Gilda ging und sie von den Fesseln befreite.

Zögernd richtete sie sich auf, ließ ihre Blicke durch den Raum schweifen und stieg, ohne irgendetwas zu sagen, vom Tisch herunter. Ruhig stand sie da, ohne ihre Blöße zu bedecken. An den Schenkeln liefen Blut und Sperma herunter, an den Brüsten, an den Lippen und an den Oberarmen waren Bisswunden zu sehen. Die gewaltsamen Schändungen hatten ihre Spuren hinterlassen. Wie würde sie mit den Verletzungen, vor allem mit den inneren, fertig werden? Hologo nahm sie in die Arme und strich liebevoll über ihr langes, verklebtes Haar.

„Horatio,“ bedächtig löste sie sich von Hologo und fixierte fast teilnahmslos Rino und Culocca. Dann wandte sie sich wieder Hologo zu.

Und als Hologo diesen klaren, harten Blick sah, fühlte er eine Wärme in sich aufsteigen, wie er sie lange nicht mehr verspürt hatte. Gilda war ungebrochen. Alle diese Scheußlichkeiten, die ihr angetan worden sind, hatten sie aufs Schlimmste verletzt und verwundet, aber sie konnten sie nicht zerstören.

„Horatio, gib mir Dein Kurzschwert!“

Rattenblut Folge 32