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Dann zeigte sie auf die Tür, hinter der Lätti und Hologo lauerten. „Es gab anscheinend eine Explosion. Vielleicht war das der letzte Versuch des Professors uns aufzuhalten, und er hat sich und die anderen getötet. Das Opferritual werden dann unsere alten Freunde übernehmen.“ Zynisch verzog sie die Mundwinkel. „Wir brauchen ihn nicht mehr. Einer von Euch überprüft, was passiert ist. Und Du,“ mit einem hässlichen Grinsen packte sie Mignon an den Haaren, „wirst jetzt ein weiterer Höhepunkt unseres Festes sein. Bellona schleifte sie in den Versammlungsraum, und zwei Pfleger folgten ihr mit Baldoni. Der andere blickte voller Erwartung in den Raum. Man sah es ihm an, dass er es kaum erwarten konnte, an dieser blutigen Orgie teilzunehmen. Eilig drehte er sich um und stieß die leicht geöffnete Tür auf. Hologo sprang vor und versetzte ihm mit dem gestreckten Mittelfinger einen Stich in ein Pudamarma des Oberkörpers. Wie vom Blitz getroffen fiel er in sich zusammen und blieb regungslos auf dem Boden liegen. Voller Wut hob Lätti die Pistole, doch Hologo winkte ab. „Er ist tot, verwende Deine Patronen für die Kreaturen da drüben.“
„Horatio, Gilda!“ Lätti konnte sich kaum noch beherrschen und blickte verzweifelt Hologo an.
„Ja, ich weiß.“ Ruhig zog Hologo sein Bandschwert heraus. Sein Gesicht hatte einen versteinerten, beinahe leblosen Ausdruck bekommen. Nur die harten Augen glitzerten, und Lätti fürchtete sich plötzlich davor, was sie erwartete. Wieder stieg dieses Brennen aus dem Magen empor, und krampfhaft umklammerte er die einzelne Patrone in seiner Hosentasche. Eigentlich hatte er sie für sich aufgehoben, da er nicht lebend in die Hände dieser blutrünstigen Rattenmenschen oder Menschenratten fallen wollte. Doch diese Patrone hatte er nun für jemanden anders vorgesehen.
„Ruodi, sie rechnen nicht mit uns, zumindest im Augenblick nicht. Wir können sie also überraschen. Dieser Pjotr muss zuerst erledigt werden. Er ist der Gefährlichste. Konzentriere Dich nur auf ihn, achte nicht auf das, was um Dich herum passiert. Lass ihm keine Chance, er ist ein Profi und reagiert sicher am Schnellsten. Zögere nicht ihn zu töten. Ich werde mich um Gilda kümmern.“ Hologo hatte die Lippen zusammengepresst und lief wie in Trance langsam vorwärts.
Lätti zitterte leicht und zog die Hand aus der Tasche. Während er sich hinter Hologo hielt, versuchte er jeden anderen Gedanken auszuschalten, und wie Hologo sich nur auf den Kampf zu konzentrieren. Doch zu viele Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Vor einigen Tagen führte er noch ein beschauliches Leben als Assistent von Baldoni. Seine Erwartungen, mit denen er von Zürich hierher gekommen war, wurden bei weitem übertroffen. Es gab ein paar Unfälle, einige kleinere Vergehen, meistens Rauschgift- und Eigentumsdelikte. Ascona war eine wunderschöne Stadt mit internationalem Publikum, und er fühlte sich sehr wohl am Lago Maggiore. Auch die mediterrane Lässigkeit der Menschen, das ausgeglichene Klima, sowie die landschaftliche Vielfalt entsprachen seiner Mentalität. Vollkommen wurde aber seine Zufriedenheit vor allem durch Bellona, die Frau, die er heiraten wollte. Manchmal bekam er richtig Angst, dass dieses Glück enden könnte. Doch euphorisch verdrängte er diese Gedanken und war voller Optimismus. Und dann war diese Idylle jäh zerstört worden. Der so genannte Unfall des Professors und der Besuch von Hologo hatten ihn wachgerüttelt und zum Nachdenken gezwungen. Je mehr er nachforschte, umso merkwürdiger erschienen ihm die Ereignisse. Plötzlich war er verwickelt in Mord, Verbrechen, Transformationen von Ratten und Menschen, ungeheuerliche Verschwörungen und sexuellen Ausschweifungen der grausamsten Art, und Bellona hatte sich nicht nur äußerlich verändert, nein, sie hatte innerlich alle diese fürchterlichen Instinkte der Ratten in sich aufgesogen, als ob sie nur auf diese Gelegenheit gewartet hätte. Blind war er gewesen, oder er wollte einfach nicht sehen, was um ihn herum passierte. Durch ihre Intelligenz gehörte sie sogar zu dem Führungskreis dieser Tiere und Menschen. Sie hatte ihn ausgenutzt und sich dieser Spezies angeschlossen. Und wie der Professor sagte, es gibt keine Umkehr für diejenigen, die die Infusionen bekommen habe. Man konnte sie nur vernichten. Er wusste jetzt, diese Patrone war für Bellona. Nur so konnte er sich von ihr lösen und emotional befreien. Mein Gott, Tod als einzige rationale Lösung, er erschauderte bei dem Gedanken. Wie hatte ihn diese fürchterliche Verschwörung verändert? Nicht nur, dass er bereit war zu töten, auch die ganzen ethischen und moralischen Werte, die ihm durch seine christliche Erziehung vermittelt wurden und sein bisheriges Leben geprägt hatten, waren nur noch Makulatur. Bitter lächelte er vor sich hin. Auch er hatte sich verändert. Die Illusion von einem friedlichen, glücklichem Leben war Vergangenheit. Die besten Bedingungen hatten in Ascona nicht verhindern können, dass sich Hab-und Machtgier, sowie die originären sexuellen Instinkte durchgesetzt hatten. Der Charakter der Ratte steckte wohl in vielen Menschen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Wissenschaftler die genetischen Ähnlichkeiten für Transformationen nützten. Aber steckte das Prinzip Ratte nicht auch ohne entsprechende Infusion in uns? Er wagte gar nicht mehr weiter darüber nachzudenken. Gut und Böse, die Begriffe hatten sich relativiert. Sie waren je nach der erforderlichen Notwendigkeit umkehrbar geworden.
Sein Verhalten wird sich in Zukunft nur noch nach der realen Situation richten und die notwendige Konsequenz wird ohne irgendwelche Einflüsse seine Handlungsweise bestimmen. Rationale Beurteilung einer Situation ohne ideologische Vorbelastungen, er blickte erschrocken auf Hologo, dies war seine Denkweise, und er hatte sie angenommen.
„Ruodi, zuerst Pjotr, und schraube den Schalldämpfer ab, er ist nicht mehr nötig. Sie sollen die Schüsse hören, das wird für einige Verwirrungen sorgen. Hologo wartete bis Lätti den Dämpfer entfernt hatte, dann riss er die Tür auf. „Los!“