Rattenblut - Folge 27
Montag Juli 02nd 2007, 17:20
Abgelegt unter: Fantasy-Romane
- 27 -

Auf ein Zeichen der Gräfin ging der Sekretär zu einem kleinen Mischpult, und der Raum wurde nur noch durch ein schwaches rotes Licht erleuchtet. Dann schaltete er die kleinen Lichter an, die auf dem runden Tisch und dem Käfig angebracht waren. Gilda und die jungen Menschen waren nun auf die perfideste Art den gierigen Blicken ausgeliefert. Je mehr Gilda an ihren Fesseln zog, um so lauter wurde gegrölt. Manche konnte sich kaum noch beherrschen. Sie fletschten die Zähne und deuteten durch anzügliche Gesten an, was sie mit Gilda vorhatten. Einige rannten zu dem Käfig, schlugen an die Stangen und machten obszöne Bewegungen. Leichenblass begann das Mädchen das Laufrad zu treten. Der junge Mann hielt sich die Hände vor das Gesicht und schluchzte.

„Freunde versammelt Euch wieder.“ Mit einem höhnischen Lachen unterbrach die Königin die tobende Menge. Eilig stellten sie sich wie bei einer Polonäse auf und bildeten einen Kreis.

„Die Gräfin hat es schon erwähnt, heute ist ein besonderer Tag. Wir haben im Tessin die wichtigsten zentralen Stellen mit unseren Leuten besetzt. Von hier wird unser Einfluss ständig zunehmen. Einige neue Personen aus Lugano werden gerade von Professor Ludowski überredet, sich uns anzuschließen.“ Plötzlich wurde aus dem Gesicht der Königin eine teuflische Maske. Voller Inbrunst warf sie den Kopf nach hinten und streckte ihre Arme zur Decke. Ihre Hände hatte sie zu Fäusten geballt und ihr feuerrotes langes Haar bewegte sich wie eine lodernde Flamme.

„Luzifer, du bist unser Gott, und ich bin Deine Königin. Unser Blut ist das Blut der Auserwählten!“

Wie auf Kommando setze sich die Menge in Bewegung und der Kreis öffnete sich. Die Arme auf die Schultern des Vordermannes gelegt, umkreiste sie den Tisch, auf dem Gilda lag.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

„Du bist der Herr des Todes, und wir sind Deine Untertanen!“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

„Die Menschen haben Dich verdammt und sehen in Dir die Verkörperung des bösen Geistes.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“ Die Worte wurden immer lauter und abgehackter skandiert, dass selbst die Gräfin und Bellona einfielen.

„Du bist der Lichtbringer und der Erlöser der Menschheit!“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“ Wie im Rausch begannen alle derartig rhythmisch auf den Boden zu stampfen, dass die Stimme der Königin einen fanatischen und schrillen Klang bekam.

„Hier werden wir für Dich ein Reich der Finsternis schaffen, von dem wir die ganze Welt aus beherrschen können.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

„Mit meinem und Deinem Blut habe ich aus Mensch und Tier eine neue Rasse geschaffen, die allen anderen überlegen ist. Für uns ist nur die absolute Macht wichtig ist. Das Böse existiert für uns nicht, und die Hölle ist unser Paradies.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

„Ich, als Deine Königin, werde alle vernichten, die sich uns entgegenstellen. Ihre Eingeweide werden die Festessen unserer Freunde sein, nachdem wir unsere Lust an ihren Körpern ausgetobt haben.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Das Stampfen wurde immer intensiver, und die haarlosen Schwänze der Rattenmenschen schlugen bei jedem Schritt auf den Boden. Die Menge wurde dadurch so aufgepeitscht, dass sie vollends in Ekstase geriet.

„Schwört auf unser Blut. Schwört auf Luzifer und auf mich, seine Königin. Durch uns werdet ihr die Macht bekommen, um die Welt zu beherrschen.“

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut, wir schwören.“

„Und nun, meine Freunde, dürft ihr Euch vergnügen, die junge Dame auf dem Tisch soll einen kleinen Eindruck davon bekommen, was sie erwartet!“ Mit einem gellenden Aufschrei zeigte die Königin auf den Käfig.

Kreidebleich versuchte Lätti aufzuspringen, doch Hologo hielt ihn mit einem eisernen Griff fest.

„Wir müssen Gilda da herausholen.“ Lätti stammelte nur und sah voller Entsetzen Hologo an.

„Später, wir müssen erst den Professor finden.“

„Aber, das sind wilde Tiere, sie werden Gilda foltern, und was weiß ich noch alles antun. Sieh nur!“

Culocca hatte den Käfig geöffnet, und Bellona und Rino zerrten das Mädchen und den jungen Mann heraus. Das Mädchen wimmerte und versuchte sich mit den Händen zu bedecken. Dann heulte sie auf, als Bellona sie in den Po biss, und das Blut ihr an den Schenkeln herunter lief. Durch das höllische Gelächter der Königin, wurde die Menge noch mehr angetrieben. Mit lüsternen Augen und wie in Trance näherte sie sich dem blutenden Mädchen und dem jungen Mann.

„Rattenblut, Rattenblut, Rattenblut.“

Verzweifelt suchten die beiden nach einer Fluchtmöglichkeit und rannten von Tür zu Tür, doch alle waren verschlossen. Grölend jagte die Meute sie durch den Raum, bis sie schließlich ermüdet stehen und apathisch die Köpfe hängen ließen, als wollten sie sich ihrem Schicksal fügen. Kreischend warfen einige Männer das Mädchen auf den Boden und stürzten sich auf sie. Johlend schauten die anderen zu. Während sie gequält und missbraucht wurde, sprangen plötzlich einige Frauen den jungen Mann, rissen ihm die Beine auseinander und hackten mit ihren messerscharfen Zähnen in seinem Körper herum. Er stieß einen markerschütternden Schrei aus, als sie ihm die Genitalien abgebissen hatten.

„Oh Gott, oh Gott!“ Lätti fing an zu würgen, doch bevor er sich übergeben konnte, zog ihn Hologo kriechend zur Tür. Im Treppenhaus stecke Hologo sein Bandschwert zurück in den Köcher und sah Lätti mit harten Augen an.

„Zuerst den Professor, dann kümmern wir uns um Gilda.“

Der eisige Blick hatte Lätti so eingeschüchtert, dass er beinahe willenlos Hologo folgte.

Ohne darauf zu achten, ob sich irgendjemand in den einmündenden Gängen aufhielt, rannten sie die Treppe hinunter ins Untergeschoss. So wie es Baldoni beschrieben hatte, führte ein langer Gang zu dem hinteren Trakt des Gebäudes. Dort mussten das Labor und die Privaträume von Kurow sein. Nach etwa 20 Meter sahen sie links und rechts zwei Türen, die abgeschlossen waren.

„Schieß auf die Schlösser, Ruodi. Nimm zuerst die rechten.“ Hologo zischte fast so wie die Ratten, daß ihn Lätti irritiert ansah. „Los.“

Die höhnischen Schreie und das widerliche Gekreische der blutigen Orgie waren so laut zu hören, dass die schallgedämpften Schüsse völlig untergingen. Die Türen sprangen auf, aber niemand hielt sich darin auf. Es waren wohl die Räume von Kurow.

„Schnell die anderen!“

Wieder schoss Lätti. Diesmal traf er nicht so gut. Nur eine Tür war zu öffnen, das Schloss der anderen war nur beschädigt.

„Jetzt habe ich nur noch ein Magazin mit 15 Patronen. Ich hoffe, das wird ausreichen.“ Unschlüssig sah Lätti auf seine Waffe, dann nahm er eine Patrone heraus und steckte sie in seine Hosentasche.

Hologo zog sein Kurzschwert heraus und wartete, bis Lätti die Pistole wieder nachgeladen hatte. Dann stieß er die Tür auf und blickte vorsichtig hinein. Das Zimmer war vollgestopft mit Kartons und Kisten, in denen offensichtlich Chemikalien und Destilliergefäße verstaut waren. Weiter hinten führte ein Durchgang zu einem anderen Raum, aus dem Stimmen und verschiedene undefinierbare Geräusche zu hören waren. Hologo war sich fast sicher, dass sich dort das Labor des Professors befand. Vorsichtig schlichen sie durch das Zimmer. Plötzlich tauchte in dem Durchgang ein älterer, abgemagerter Mann auf. Er trug einen ziemlich abgeschabten, weißen Mantel und hielt verschiedene Reagenzgläser in der Hand. Die weißen, ungekämmten Haare wirkten ungepflegt und fielen seitlich der Stirn lose herunter. Hologo stürzte vor, legte ihm die Hand den Mund zu und hielt das lange Messer an seine Kehle.

„Professor Ludowski?“

Er zuckte vor Schreck so stark zusammen, dass er, während er nickte, anfing zu zittern und dabei die Gläser fallen ließ. Das Klirren war so durchdringend, dass ein weiterer Mann aus dem anderen Raum trat. An seinem Gürtel hing ein Halfter mit einer großkalibrigen Pistole. Erstarrt blieb er stehen, als er Hologo und Lätti sah. Doch dann reagierte er blitzschnell und griff nach seiner Waffe. Hologo stieß den Professor zur Seite und sprang aus dem Stand auf den Mann zu. Er spürte ein heißes Brennen an der rechten Schulter, bevor er das leise Plop hörte. Mit einem Loch im rechten Auge sackte der Mann zusammen. Der Schuss hatte Hologo gestreift, da Lätti mit dem Sprung nicht gerechnet hatte.

„Tut mir leid, Horatio.“

„Ist schon in Ordnung, Ruodi, ich weiß nicht, ob ich ihn rechtzeitig erwischt hätte.“

Erleichtert ging Lätti zu dem Professor und half ihm wieder auf die Beine. Ziemlich verstört deutete er auf die Leiche und schaute Lätti und Hologo an.

„Das war mein Assistent. Aber eigentlich sollte er mich bewachen. Ein übler, sadistischer Kerl, ich bin froh, dass er tot ist. Wer sind Sie?“

Hologo warf noch einen schnellen Blick in den Gang, doch es blieb alles ruhig. Dann wandte er sich dem Professor zu.

„Mein Name ist Horatio Hologo, Hagen Steiger hat mich geschickt. Sie haben in Freiburg angerufen.“

Rattenblut Folge 28