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	<title>Fantasy-Thriller von Nat Colder</title>
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	<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 08:34:58 +0000</pubDate>
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		<title>Rattenblut - Folge 26</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 22:26:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nat Colder</dc:creator>
		
		<category>Fantasy-Romane</category>

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		<description><![CDATA[- 26 -
Eilig betrat er den Vorraum, der gleichzeitig als Empfang diente. Bis auf einen Pfleger, der vor einem Computer an einem der zwei Tische saß, war niemand zu sehen. Gelangweilt tippte er irgendwelche Daten ein.
„Bin ich zu spät?“
„Es hat gerade angefangen. Wo warst Du denn so lange, Baldoni? Dr.Kurow hat mehrmals nach Dir gefragt. [...]]]></description>
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<p>Eilig betrat er den Vorraum, der gleichzeitig als Empfang diente. Bis auf einen Pfleger, der vor einem Computer an einem der zwei Tische saß, war niemand zu sehen. Gelangweilt tippte er irgendwelche Daten ein.</p>
<p>„Bin ich zu spät?“</p>
<p>„Es hat gerade angefangen. Wo warst Du denn so lange, Baldoni? Dr.Kurow hat mehrmals nach Dir gefragt. Und wo ist Fjodor?“ Ärgerlich schaute der Pfleger Baldoni an.</p>
<p>„Der kommt gleich. Wir konnten wegen des Nebels nicht schneller fahren. Ach,“ Baldoni wischte sich mit der Hand über die Stirn und ging zum Fenster, „es ist richtig heiß hier drinnen, wie geht es meiner Tochter?“</p>
<p>„Gut, sie macht Fortschritte. Aber was war eigentlich da draußen los? Ich habe so merkwürdige Geräusche gehört. Misstrauisch blickte der Pfleger zu Baldoni hin, der die Fensterflügel weit aufgerissen hatte.</p>
<p>„Ich glaube, die Ratten haben jemanden gejagt.“ Angeekelt verzog Baldoni die Mundwinkel.</p>
<p>„Hallo, warum sind Sie nicht unten?“ Aus dem hinteren Gang war ein anderer Mann hereingekommen und sah Baldoni erstaunt an.</p>
<p>Nachdenklich schaute der Pfleger auf das geöffnete Fenster. Irgendetwas stimmte hier nicht. Aber was? Dann fiel es ihm blitzartig ein. Normalerweise benützt man beide Hände für die Fensterflügel. Baldoni ließ aber eine Hand immer in der Tasche. Merkwürdig, oder war etwa eine Verletzung der Grund?</p>
<p>„Willst Du nicht rangehen?“ Unwirsch zeigte der Mann auf das Telefon.</p>
<p>Der Pfleger überlegte so krampfhaft, dass er das Klingeln beinahe nicht gehört hatte. Ohne Baldoni aus den Augen zu lassen, nahm er den Hörer ab. Plötzlich verzerrte sich sein Gesicht und er sprang auf. Während der andere Mann überrascht auf den hereinstürmenden Hologo blickte, lief Baldoni vom offenen Fenster weg, in dem jetzt Lätti mit angelegter Pistole auftauchte und schoss. Der Pfleger war schon tot, als er zusammensackte und das Telefon mit sich auf den Boden riss. Der andere blickte verwundert auf Baldoni und wollte sich auf ihn stürzen, doch ein Loch in der Stirn ließ ihn einfach umfallen.</p>
<p>„Hallo, was ist da los, melde Dich!“</p>
<p>Schnell nahm Baldoni den Hörer und unterbrach die schnarrende Stimme. „ Hier ist Baldoni, Marc musste zu Kurow und hat nicht richtig aufgelegt. Du weißt ja wie Kurow ist, er wartet nicht gerne. Wo seid ihr?“</p>
<p>„Wir sind kurz vor Fusio, sag Kurow, die Osteria in Peccia ist ausgebrannt und einer unserer Wagen steht davor. Wir wissen auch nicht, was mit unseren Leuten passiert ist, und wo dieser Hologo und seine Begleiterin sind.“</p>
<p>„Gut, ich werde es Kurow sagen.“ Grimmig riss Baldoni die Telefonschnur aus der Wand.</p>
<p>„Ich glaube, diese schallgedämpften Schüsse hat niemand gehört.“ Lätti stand inzwischen neben Hologo und hob lauschend den Kopf.</p>
<p>„Weiter!“ Hologo drängte jetzt. „Baldoni, gehen Sie vor“</p>
<p>Vorsichtig gingen sie den Gang entlang, aus dem der Mann hereingekommen war. Hologo hatte seinen Arm mit dem Bandschwert ausgestreckt. So konnte er sofort reagieren, falls sich einer der Türen der angrenzenden Zimmer öffnete. Nach etwa 20 Metern war der Gang zu Ende, und Baldoni hob den Arm. Vor ihnen erstreckte sich eine Empore, die wie ein Rundgang um die ganze Etage lief. Gebückt schlichen sie zu einem Pfeiler und blickten durch das Holzgeländer nach unten.</p>
<p>„Oh Gott, da ist ja Bellona und die halbe Kantonsverwaltung von Bellinzona versammelt.“ Lätti flüsterte so verbittert, dass Hologo ihm beruhigend die Hand auf die Schulter legte.</p>
<p>Der Raum hatte eine kleine Bühne, auf dem Bellona, eine ältere Frau und zwei Männer standen. Davor saßen an langen Tischen, die so aufgestellt waren, dass sie ein Viereck bildeten, die beteiligten Männer und Frauen.  In der Mitte stand ein runder Drehtisch, auf dem Hand – und Fußfesseln angebracht waren.</p>
<p>„Da,“ fassungslos deutete Lätti auf einen Käfig, in dem sich ein junger Mann und eine junge Frau befanden. Beide waren nackt und saßen abgestumpft auf einem Laufrad. „ Das sind sicher die jungen Menschen, die vermisst werden.“ Voller Wut hatte Lätti die Fäuste geballt. Er konnte sich kaum noch beherrschen.</p>
<p>„Links neben Bellona steht Kurow, daneben dieses Schwein Pjotr, die ältere Dame ist die Gräfin. Culocca und Rino sitzen genau vor der Bühne. Auch einige Kollegen der Polizei aus Locarno und Bellinzona sind dabei.“ Baldoni hatte mehr gezischt als geflüstert und schaute Lätti mitfühlend an. Dann zeigte er auf eine Tür. „Dort führt eine Treppe nach unten in das Untergeschoss, das wir gerade sehen. Außerdem ist dort der einzige Zugang zu den Laborräumen, in denen sich wahrscheinlich der Professor aufhält. Ich gehe jetzt nach oben und suche in den Patientenzimmern nach meiner Tochter.“</p>
<p>„Baldoni, versuchen Sie in den nächsten 45 Minuten nicht zu schießen. Sie haben keinen Schalldämpfer. Zuerst müssen wir den Professor finden.“ Hologo hatte seinen Zeigefinger  so fest auf die verletzte Hand von Baldoni gedrückt, dass dieser beinahe aufschrie.</p>
<p>„Freunde und  Kameraden, erhebt Euch.“ Die Gräfin war vorgetreten und hatte die Arme erhoben.</p>
<p>Stühle scharrten und wurden hin und her geschoben. Diesen Augenblick nutzte Baldoni und lief geduckt zu einer Tür. Lätti und Hologo hatten sich eng an das Geländer gepresst, um besser verfolgen zu können, was sich im Einzelnen abspielte.</p>
<p>„Manche von denen haben ja einen Schwanz!“ Entsetzt sah Lätti Hologo an und biss sich auf die Lippen.</p>
<p>„Heute feiern wir wieder unser Fest.“ Die Gräfin hatte nun die Arme ausgebreitet, als wollte sie alle herzlich begrüßen. Dann veränderte sich das blasse, spitze Gesicht zu einer starren Maske, das durch  die hervorstechenden Wangenknochen noch unheimlicher wirkte. „Wie Ihr sehen könnt, wird die Anzahl unserer Anhänger von Tag zu Tag größer. Das bedeutet, dass unsere Macht und unser Einfluss Woche für Woche zunimmt. Niemand kann uns aufhalten, obwohl es einige versuchen. Wer sich uns widersetzt, wird vernichtet. Wer sich uns nicht anschließt, wird eliminiert. Unsere Auslese ist hart, aber nur so können wir uns ausbreiten. Nachdem wir in Astrachan bekämpft und vertrieben wurden, mussten wir uns eine neue Region und eine entsprechende Stadt suchen. Dank Dr.Kurow und Professor Ludowski haben wir eine exzellente Ausgangsbasis gefunden. Von hier aus werden wir Stadt für Stadt und Land für Land unter unsere Kontrolle bringen. In Europa und in vielen Teilen der Welt werden wir verachtet, als ekliges Ungeziefer betrachtet, das man einfach zertreten und erschlagen kann. Doch dann entdeckten die Menschen, dass wir ihnen in der genetischen Struktur ähnlich sind, und sie missbrauchten uns als reines Versuchstier für ihre abstrusen Forschungen. Unsere Intelligenz ist aber dem Menschen überlegen, weil wir keine Skrupel haben. Unsere Moral wird nur durch die Macht und die Vermehrung unserer Rasse bestimmt. Im indischen Hinduismus sind wir eng mit dem Gott Ganesa verbunden, im buddhistischen Kalender werden wir als positives Tier dargestellt und der tibetanische Gott Kubera hat eine Abbildung von uns auf der Hand. Als wir damals fliehen mussten, fanden einige von uns Schutz in dem indischen Tempel von Deshnoke. Darunter auch unsere Königin. Heute sind wir alle wieder vereint. Die Diaspora ist zu Ende, und das wollen wir ausgiebig feiern. Wir werden unter der Führung der Königin unsere eigenen Götter erschaffen. Alle, die mit uns diesen Weg gehen, werden wir mit Reichtum und Macht belohnen. Und nun meine Freunde,  begrüßt die Königin.“</p>
<p>Unter lauten Beifallsrufen und Klatschen ging die Gräfin ein paar Schritte zurück. Dann öffnete sich hinter der Bühne eine Tür und schlagartig waren alle still. Eine wunderschöne Frau in einem langen schwarzen Kleid trat voller Stolz auf die Bühne. Hinter ihr lief der Sekretär der Gräfin mit einem jüngeren Mann. Ihr langes rotes Haar umrahmte ein ebenes, marmorfarbenes Gesicht. Die dunklen Augen blickten spöttisch auf die anwesenden Personen herunter. Die slawischen Backenknochen verliehen dem Gesicht ein fast würdevolles Aussehen und man konnte die Begeisterung, die sie auslöste, förmlich spüren. Sie hatte ein so zeitloses, faltenloses Gesicht, dass man ihr Alter nur sehr schwer schätzen konnte.</p>
<p>Fasziniert und mit geöffnetem Mund schaute Lätti in den Raum hinunter. Obwohl es recht kühl war, fing er an zu schwitzen, und er rieb sich die feuchten Hände.</p>
<p>Hologo hatte plötzlich das Gefühl, dass er diese Frau schon mal gesehen hatte. Aber wo? Rigoros unterbrach er seine Überlegungen und konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Er musste den Professor finden. Was unten passierte, war im Augenblick sekundär. Vielleicht war das die beste Gelegenheit, da auch die meisten der Pfleger und dieser Pjotr sich dort aufhielten. Langsam drehte er den Kopf und fixierte die Tür, die zu der Treppe führte. Er wartete nur darauf, dass wieder Stimmen und Geräusche zu hören waren. Dann zuckte er zusammen. Lätti hatte ihm so stark mit der Hand in den Rücken geschlagen, dass er beinahe sein Bandschwert fallen ließ.</p>
<p>„Sie haben Gilda!“</p>
<p>Hologo hatte Mühe, Lätti am Aufspringen zu hindern. Mit aller Kraft drückte er ihm den Kopf nach unten.</p>
<p>Zwei Männer zerrten Gilda herein. Sie hatte eine aufgeplatzte Lippe und Verletzungen an den Armen.</p>
<p>„Ah, da ist ja die junge Begleitern von Hologo!“ Das Gesicht der Gräfin hatte einen diabolischen Ausdruck angenommen. Voller Verachtung und Hohn musterte sie Gilda. „Natürlich willst Du mir nicht sagen, wo Hologo ist, aber glaube mir, jeder hat hier bisher geredet.“ Ihre Stimme hatte einen derartigen klirrenden und unbarmherzigen Klang angenommen, dass Lätti sich kaum noch ruhig halten konnte.</p>
<p>„Bindet sie auf den runden Tisch. Wenn ich mit meinen Ausführungen fertig bin, könnt ihr Euch mit ihr vergnügen. Anschließend darf sich noch unser Freund Pjotr mit ihr beschäftigen.“</p>
<p>Ein wüstes Gejohle brandete auf. Die Männer rissen Gilda die Kleider vom Leib, legten sie nackt mit dem Rücken auf den runden Tisch und fesselten sie.</p>
<p><a title="Rattenblut Folge 27" href="/index.php?page_id=36">Rattenblut Folge 27</a>
</p>
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