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	<title>Fantasy-Thriller von Nat Colder</title>
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	<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 08:34:58 +0000</pubDate>
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		<title>Rattenblut - Folge 14</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Mar 2007 21:58:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nat Colder</dc:creator>
		
		<category>Fantasy-Romane</category>

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		<description><![CDATA[– 14 –
Hologo deckte die toten Körper sorgfältig wieder zu. So konnten sie bei einem flüchtigen Blick über die Mauer nicht entdeckt werden. Da er niemand begegnen wollte, lief er schnell zurück.
Gilda hatte sich auf die Seite gedreht und eine embryonale Stellung eingenommen, als würde sie Schutz suchen. Sie schlief tief und doch unruhig. Manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div align="center">– 14 –</div>
<p>Hologo deckte die toten Körper sorgfältig wieder zu. So konnten sie bei einem flüchtigen Blick über die Mauer nicht entdeckt werden. Da er niemand begegnen wollte, lief er schnell zurück.</p>
<p>Gilda hatte sich auf die Seite gedreht und eine embryonale Stellung eingenommen, als würde sie Schutz suchen. Sie schlief tief und doch unruhig. Manchmal bewegten sich ihre Lippen und ein leises Stöhnen war zu hören. Anscheinend musste sie diesen Tag erst im Unterbewusstsein verarbeiten.</p>
<p>Hologo nahm einen Stuhl, setzte sich seitlich an das Fenster und zog den Vorhang zu. So konnte er die Straße beobachten ohne gesehen zu werden. Nach ungefähr 30 Minuten kam der Wagen, der ihnen auf der Straße nach Bignasco entgegen gekommen war und hielt  vor dem Eingang zur Osteria. Ein Mann stieg aus. Unschlüssig blickte er die Straße entlang. Dann ging er zur Einfahrt des Parkplatzes und blieb stehen. Prüfend schaute er hinein.</p>
<p>Hologo beugte sich gespannt vor. Der Mann würde auf den ersten Blick nur den Pajero sehen und den hatte eine junge Frau gefahren, die anscheinend hier im Hotel übernachtete. Wenn er keine anderen Informationen hatte, war dies nichts Außergewöhnliches.</p>
<p>Nach einigen Minuten schlenderte er zum Wagen zurück und blieb zögernd davor stehen. Nachdenklich sah er zu den Fenstern des Hotels hinauf. Doch dann stieg er ein, und sie fuhren weiter.</p>
<p>Hologo entspannte sich. Sie hatten offensichtlich  den anderen Wagen noch nicht gefunden. Und so wussten sie auch nicht, daß die Männer und die Ratten tot waren. Das bedeutete, daß er, Gilda und Lätti einige Stunden Zeit gewonnen hatten. Aber das hing auch davon ab, wie schnell Fabio und die anderen entdeckt wurden. Und das wollte er verhindern.</p>
<p>Gilda schlief immer noch und so verließ er das Zimmer. Leise lief er die Treppe hinunter und betrat den Gastraum. Die alte Signora war gerade dabei einen Tisch zu decken.</p>
<p>„Signore, wollen Sie schon frühstücken?“</p>
<p>„Nein, noch nicht. Ich muss Sie um etwas bitten.“ Hologo schilderte ihr in kurzen Worten, was im Einzelnen geschehen war.</p>
<p>Die Signora hatte schnell begriffen, worauf Hologo hinaus wollte.“ Ich werde sofort Alfio und seine Vettern verständigen. Auf sie kann ich mich verlassen. Sie waren nicht nur Freunde von Fabio, sie haben auch Mut und werden Ihnen helfen. Der eine Vetter ist der Bestatter von Bignasco. Er kann Fabio ein paar Tage verstecken, bis er würdig beerdigt werden kann. Die anderen Kreaturen soll er irgendwo verschwinden lassen.“ Die Augen der Signora hatten wieder dieses unerbittliche Funkeln, das Gilda so beeindruckt hatte. „Wir werden uns gegen diese Verbrechen wehren und für unsere Freiheit kämpfen. Sie müssen uns nur sagen, was wir tun müssen.“</p>
<p>„Ich danke Ihnen.“</p>
<p>„Kommen Sie.“ Die Signora ging schlurfend an eines der Fenster neben der Eingangstür. Hologo folgte ihr. Wütend schaute sie hinaus. „ Sehen Sie, da sind wieder diese Autos mit den dunklen Vorhängen. Ich habe es Ihnen ja schon gesagt. Immer wenn in der Nacht Vollmond ist,  fahren an diesem Tag einige nach Fusio. Manchmal sind es bis zu zehn Wagen, aber nicht alle sind verhängt. Wahrscheinlich sind nur die verdunkelt, in denen wichtige Leute sitzen.“</p>
<p>„Wie meinen Sie das?“ Hologo blickte die Signora überrascht an.</p>
<p>„Na ja, Leute, die hier bekannt sind, und die eine wichtige Stellung haben, wollen nicht gesehen werden. Bei den anderen ist es egal.“</p>
<p>Das war es. Jetzt war sich Hologo im Klaren darüber, wie die Strategie aussah. Die Signora hatte in wenigen Worten unbewusst die Bedeutung der Fahrten erkannt. Macht ausüben zu können, heißt, daß wirtschaftliche und politische einflussreiche Positionen mit eigenen Leuten besetzt werden müssen. Also werden entsprechende Leute ausgesucht und transformiert. Dieses unheimliche, zerstörerische Machtpotential wird dann wie ein Krake ihre Fangarme ausstrecken. Jedes Tal und jeder Ort wird umschlungen und ausgesaugt. Auch wenn die verschiedenen Vertreter der Wirtschaft, Politik oder Kultur ursprünglich zur dieser Transformation gezwungen worden waren, werden sie anschließend, entsprechend der Genetik der Wanderratten, fest zusammenhalten  und alle, die nicht dazu gehören, als Feinde betrachten und bekämpfen. Nur, wie wird diese Umwandlung durchgeführt,  und wie viele der Personen, die an den wichtigen Schaltstellen sitzen, sind schon dabei?</p>
<p>Hologo versuchte erst gar nicht weiter darüber nachzudenken. Er konzentrierte sich auf das Wesentliche und auf das, was er als nächstes tun musste.</p>
<p>„Signora, rufen Sie Ihre Freunde an. Wir haben wenig Zeit. Diese Sache sollte schnellstens erledigt werden. Es wäre fatal, wenn Spaziergänger mit ihren Hunden die Leichen finden würden.</p>
<p>„Keine Angst, seit dieses Unheil über unser Tal hereingebrochen ist, gibt es keine Hunde oder Katzen mehr hier. Sie sind tot oder verschwunden. Wer weiß, was da alles passiert ist.“ Traurig blickte sie auf das Kruzifix, das an der Wand hing, und bekreuzigte sich inbrünstig.</p>
<p>In einer Wohnung in der Altstadt von Ascona wischte sich der Mann immer wieder den Schweiß von der Stirn. Auf was hatte er sich da eingelassen? Langsam kam ihm zu Bewusstsein, was für eine Dimension die ganze Sache angenommen hatte. War er zu weit gegangen? Doch es gab kein Zurück mehr. Er steckte schon zu tief  in dem Ablauf mit drin, da er die Fahrten von Ascona nach Fusio organisierte. Und er hatte keine Wahl. Seine kranke Tochter war die Einzige, die von der Familie übrig geblieben war. Seine Frau hatte einen tödlichen Unfall, und die restliche Verwandtschaft war verstorben. Was in Fusio mit den Leuten passierte, wollte er gar nicht wissen. Er tat dies nur für seine Tochter, die im Sanatorium mit der von Dr. Kurow entwickelten Therapie erfolgreich behandelt wurde. Was hatte er sonst noch zu verlieren? Wahrscheinlich war er durch diese Fahrten zum Mitwisser oder sogar zum Mittäter eines Verbrechens geworden. Aber das war ihm gleichgültig. Nur das Leben seiner Tochter zählte.</p>
<p>Resignierend nahm er das Telefon und wählte eine Nummer.</p>
<p>„Ja?“</p>
<p>Auch wenn er diesen peitschenartigen schrillen Tonfall kannte, zuckte er jedes Mal zusammen “Ich bin es. Wir kommen heute Nachmittag gegen 16h an. Es sind 5 Autos. Alle die von Ihnen verlangten Personen, sind dabei. Nur einen mussten wir mit Gewalt überreden. Er ist am Arm leicht verletzt.“</p>
<p>„Gut, was ist mit diesem Hologo?“</p>
<p>„Ich habe auch da noch mal nachgeforscht. Hologo hat einen silbernen Pajero gemietet und ist in Begleitung einer jungen Frau. Sie  ist die Tochter des Taxifahrers Paolo aus Locarno. Und dieser Paolo hat auch Hologo nach Ascona gefahren.“</p>
<p>„Ist das nicht ein eigenartiger Zufall? Aber Ihnen ist das sicherlich nicht aufgefallen.“ Die Stimme hatte einen derartigen verächtlichen Ton angenommen, daß der Mann verärgert den Kopf schüttelte.</p>
<p>„Wohin sie gefahren sind wissen Sie wohl immer noch nicht? Dann werde ich es Ihnen sagen. Dieser silberne Pajero ist in Peccia vor einer Osteria gesehen worden. Und genau in dieser Osteria haben wir Leute verloren. Wieder so ein Zufall. Und jetzt sind wieder einige unserer Freunde verschwunden. Wir suchen gerade nach ihnen. Machen Sie keine Fehler mehr. Denken Sie dabei an ihre Tochter. Haben Sie mich verstanden?“</p>
<p>„Ja, natürlich. Wir sehen uns heute Nachmittag.“ Eingeschüchtert und gleichzeitig verärgert, legte der Mann den Hörer auf.</p>
<p>Hologo war wieder auf das Zimmer gegangen. Ohne die Messer abzulegen oder sich auszuziehen, legte er sich auf das zweite Bett. Kurz vor 10h würde er Gilda wecken. So blieben  ihm noch etwa zwei Stunden, um in einer tiefen Meditation Ruhe zu finden. Die Energieflüsse des Körpers erreichten auf diese Weise eine Harmonie, die Kraft und Konzentration erzeugten, denn diese innere Stärke war die wichtigste Waffe eines Kriegers.</p>
<p>„Gilda, es ist Zeit.“ Sanft strich Hologo über ihre Haare.</p>
<p>Schlaftrunken hatte sich Gilda aufgerichtet und schaute Hologo verwirrt an. Dann huschte ein müdes Lächeln über ihr Gesicht. „Entschuldigen Sie, ich wusste zuerst nicht wo ich bin. Schlafen ist immer die beste Möglichkeit, um aus der Wirklichkeit zu flüchten. Beinahe hätte ich vergessen, warum wir hier sind.“</p>
<p>„Im Augenblick besteht keine Gefahr. Ich werde nach unten gehen und schon Frühstück für uns bestellen.“</p>
<p>„Horatio, ich nehme nur einen Milchkaffee und ein Croissant dazu. Ich esse nie viel am Morgen.“</p>
<p>Gilda stieg aus dem Bett und begann sich auszuziehen. Schüchtern sah sie dabei Hologo an. „Angezogen kann ich nicht duschen. Aber es dauert nicht lange.“ Mit einem koketten Augenaufschlag wartete sie, bis Hologo das Zimmer verlassen hatte.</p>
<p>„Signore, das ist Alfio. Ich habe ihm alles erzählt, was vorgefallen ist.“ Die alte Signora brachte einem älteren Mann an den Tisch von Hologo.</p>
<p>„Danke, setzten Sie sich doch Alfio.“</p>
<p>„Herr Hologo, Sie können uns vertrauen. Wir haben die Leichen weggeschafft, und wir wollen Ihnen helfen. Was können wir weiter für Sie tun?“</p>
<p>Die Augen von Alfio hatten jetzt dasselbe kämpferische Funkeln, wie er es bei der Signora gesehen hatte. Das alte Feuer war wieder entflammt, für das die ehemaligen Widerstandskämpfer berühmt gewesen waren. Auch wenn man ihr Tal besetzt hatte, wurden sie im eigentlichen Sinne nie besiegt. Ihr Mut und der Wille zur Freiheit waren die herausragenden Tugenden dieser Talbewohner.</p>
<p>„Alfio, wichtig ist die Kommunikation. Ich brauche die Telefonnummern von der Signora und Ihnen, unter der ich Sie immer erreichen kann. Ich muss mich außerdem unbedingt darauf verlassen können, daß Sie meine Anordnungen sofort umsetzen, auch wenn sie nicht gleich zu verstehen sind. Ihr Tätigkeitsbereich wird zwischen Bignasco und Peccia liegen. Ich und  meine Begleiter werden heute nach Fusio fahren.“</p>
<p>Lange und beinahe bedächtig blickte Alfio Hologo an. „Die Signora und ich kennen uns sehr lange. Sie ist eine tapfere Frau. Früher, als wir besetzt waren, schmuggelten sie und ihr Mann Waffen über den Pass. Diese geheime Route, die von Fusio am Sambuco See vorbei führte, war sehr gefährlich. Bei einem dieser Gänge verunglückte ihr Mann tödlich. Sie hat nie mehr geheiratet, obwohl es durchaus viele Bewerber gab. Wahrscheinlich sitzen Erinnerungen an eine gemeinsame, gefährliche Zeit viel tiefer, als man es selbst wahrhaben will. Ich erzähle Ihnen dies nur, dass Sie verstehen, wie sehr ich die Signora schätze. Und wenn die Signora sagt, Sie sind ein Krieger und Sie haben gute, mutige Augen, dann glaube ich das. Herr Hologo, Sie können sich auf mich und meine Vettern absolut verlassen.</p>
<p><a title="Rattenblut Folge 15" href="/index.php?page_id=24">Rattenblut Folge 15</a>
</p>
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