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	<title>Fantasy-Thriller von Nat Colder</title>
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	<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 08:34:58 +0000</pubDate>
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		<title>Rattenblut - Folge 10</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Feb 2007 21:51:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nat Colder</dc:creator>
		
		<category>Fantasy-Romane</category>

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Gilda winkte ihm zu. Umständlich nahm er sein Gepäck und stand auf. Er spürte fast körperlich die Blicke der Männer, während er zur Theke ging. Einige Touristen hatten bezahlt und verließen das Lokal. Auch Fabio verabschiedete sich von seinen Freunden am Stammtisch. Wortlos hob er die Hand und ging an Hologo vorbei. Ein [...]]]></description>
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<p>Gilda winkte ihm zu. Umständlich nahm er sein Gepäck und stand auf. Er spürte fast körperlich die Blicke der Männer, während er zur Theke ging. Einige Touristen hatten bezahlt und verließen das Lokal. Auch Fabio verabschiedete sich von seinen Freunden am Stammtisch. Wortlos hob er die Hand und ging an Hologo vorbei. Ein ungutes Gefühl beschlich Hologo. Er drehte sich um, als wollte er noch etwas zu Fabio sagen. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie die zwei Männer Fabio fixierten und sich dann zunickten. Sie hatten gesehen, wie Fabio mit Hologo und Gilda am Tisch saß. Also war Fabio in höchster Gefahr, wenn sie der Signora nicht geglaubt haben. Doch im Augenblick konnte Hologo nichts tun, ohne die Tarnung zu gefährden. Er konnte nur hoffen, daß Fabio als nicht wichtig und bedrohlich eingeschätzt wurde. Mit einem undurchdringlichen Blick in den Augen kam er auf Gilda zu.</p>
<p>„Ich bin müde.“ Mit einem schiefen Lächeln hängte sie sich bei Hologo ein. „Sie müssen freundlicher und  touristischer aussehen.“ Ihr Flüstern war kaum zu hören.</p>
<p>„Bis morgen Signora, und vielen Dank.“</p>
<p>„Ihr Zimmer liegt im ersten Stock, gleich neben der Treppe. Es ist die Nr. 8. Schlafen Sie gut.“ Die Signora sprach absichtlich laut, so daß es die Männer hören konnten.</p>
<p>Hologo bedankte sich und ging mit Gilda zur Hintertür. Bevor sie den Gang betraten, drehte sich Hologo um. Er sah suchend in das Lokal, als ob er etwas vergessen hätte. Die zwei Männer starrten ihn durchdringend an. Dann stand einer auf, nahm seine Tasche und verließ höhnisch grinsend den Raum.</p>
<p>„Kommen Sie Horatio.“ Gilda zog Horatio auf den Gang. Sie zitterte leicht. „Gehören die dazu?“</p>
<p>„Wahrscheinlich, beeilen wir uns.“</p>
<p>Gilda war so aufgeregt, daß sie an einer Treppenstufe hängen blieb und stolperte. Hologo fing sie auf. Er spürte, wie sie fröstelte.</p>
<p>„Es geht schon wieder.“ Nervös schob sie seine Arme weg. Sie lief nun ohne Probleme die Treppe hinauf.</p>
<p>Bevor Horatio das Zimmer aufschloss, prägte er sich automatisch die Örtlichkeiten ein. Nur eine Treppe führte nach oben. Es gab zwei Eingänge, einen vom Hinterhof, wo der Pajero stand und einen Zugang vom Lokal aus.</p>
<p>Das Zimmer war einfach und sauber. Hologo ging sofort ans Fenster. Man konnte von da aus den Eingang, die Straße und die anliegenden Häuser sehen.</p>
<p>„Welches Bett nehmen Sie?“ Gilda war dabei die zwei zusammengestellten Betten aus- einander zu schieben.</p>
<p>„Das an der Tür.“ Regungslos beobachtete Hologo die Straße und den Eingang. Wo war der andere Mann? Er hatte kein Auto gehört, das weggefahren war. Zwei Eingänge, zwei Männer, zwei Taschen und  ein Albergo, das genau an der Straße nach Fusio stand. Es war fast militärisch organisiert, kleine Kommandos, die an den strategischen Punkten eingesetzt waren. Den ganzen Verkehr konnte man so überwachen. Wie sagten die Signora und Fabio? Besonders auffällig wäre das bei Vollmond. Da ginge keiner der Einwohner mehr auf die Straße. Und morgen war Vollmond.</p>
<p>Hologo richtete sich auf. Der Mann, der im Lokal geblieben war, betrat jetzt die Straße. Langsam näherte er sich den gegenüberliegenden Häusern und blieb dann stehen. Es war kaum zu sehen, wie der andere Mann aus dem Dunkeln heraus kam. Er stand plötzlich da und deutete auf seine Tasche. Der andere nickte und entfernte sich. Dann stellte der Mann  seine Tasche behutsam auf den Boden und öffnete sie. Mit einem riesigen Satz sprang eine Ratte heraus. Hologo konnte sogar von seinem Fenster aus sehen, wie die rötlichen kalten Augen funkelten. Der Mann zischte ihr etwas zu, während sie langsam zwischen den Häusern verschwand.</p>
<p>„Sehen Sie einen der Männer?“ Neugierig kam Gilda ans Fenster. „Das sieht ja unheimlich aus.“ Innerlich aufgewühlt ging sie zu ihrem Bett und legte sich hin.</p>
<p>Hologo kniff die Augen zusammen. Es sah tatsächlich gespenstisch aus. Im fahlen Licht der Straßenlaternen stand der Mann bewegungslos neben der Tasche. Warum wollte er gesehen werden? War das eine Machtdemonstration oder vielleicht eine Warnung an die Einwohner? Die Straßen waren auf einmal wie ausgestorben. Es war nichts mehr zu hören. Aber wo war der andere Mann?</p>
<p>Nachdenklich wandte er sich ab. Er zog seine Jacke aus und legte sich auch auf sein Bett. Gilda musterte mit aufgerissenen Augen seinen Gürtel mit den Wurfmessern und das große Messer, das in der Lederscheide steckte.</p>
<p>„Kann ich Sie etwas fragen, Horatio?“ Gilda setzte sich mit gekreuzten Beinen auf das Bett und betrachtete das röhrenartige Gepäckstück. „Was ist da eigentlich drin?“ Unbeholfen, und als wäre es ihr peinlich, zeigte sie mit dem Finger auf die Röhre.</p>
<p>„Es sind Waffen, in denen ich ausgebildet bin. Ich habe Ihnen schon erzählt, daß ich verschiedene Kampftechniken beherrsche. Moderne Waffen sind nur ein kleiner Teil meiner Ausbildung. Die wichtigste Kampfkunst, in die ich eingeweiht wurde, ist auch die älteste. Es ist die höchste Schule des Kämpfens. Sie nennt sich Kalari und ist in Indien entstanden. Ich wurde nur deshalb darin unterrichtet, weil ich aus einer Kaste der Krieger stamme. Die Herkunft meines Namens habe ich Ihnen erklärt. In der Röhre habe ich eines der schwierigsten Kampfwerkzeuge des Kalari, das Bandschwert. Die Klinge ist sehr lang und schwingt in der Luft hin und her. Das macht die Waffe unberechenbar wie ein Blatt im Wind. Die Klinge ist scharf wie ein Rasiermesser. Um dieses Schwert zu beherrschen, muss man jahrelang trainieren und meditieren. Es erfordert maximale Konzentration, ein schnelles Auge und Todesverachtung. Das andere große Messer, da ich hier habe, ist das Kurzschwert. Ich  gehe jedes Jahr für einige Monate zu meinem Meister nach Indien, um zu meditieren und zu üben. Aber die gefährlichste Waffe ist weder das Bandschwert oder das Kurzschwert, es ist das Empty-Hand-Fighting. Das Kämpfen mit der leeren Hand. Es ist die höchste Disziplin des Kalari. Nur die besten und ethisch verantwortungsvollsten Schüler werden vom Meister in dieser Kunst unterwiesen.“</p>
<p>„Warum ist diese Kampfkunst so gefährlich?“ Diese nüchterne, sachliche Darstellung der Kampftechnik hatte Gilda so gefesselt, daß sie beinahe vergessen hatte, weshalb sie mit Hologo hier war.</p>
<p>„Diese Kunst basiert auf Überlieferungen der altindischen Kampftechnik und der ayurvedischen Medizin. Über Kopf und Körper sind insgesamt 108 Energiepunkte verteilt. Sie werden als Marma bezeichnet. An diesen Stellen vereinen sich die Kraftlinien des Körpers wie Rinnsale zu Flüssen. Zwölf von ihnen sind Pudamarma. Es sind Zentren von höchster Sensibilität. Hier reicht ein einziger kraftvoller Stich mit gestrecktem Finger aus, um einen Menschen von einer Sekunde zu nächsten vollständig zu lähmen oder gar zu töten. Ist ein Gegner nur paralysiert, kann die energetische Blockade mit Gegengriffen gelöst werden. Diese sind aber nur Eingeweihten bekannt.“</p>
<p>„Sie sagen, dies sei die älteste Kampftechnik der Welt?“</p>
<p>„Ja. Sie wurde in einer der ältesten Schriftsprachen der Welt schon aufgeführt, dem Sanskrit. Die so genannten achtzehn Bücher des Wissens entstanden zwischen 1200 und 600 v.Chr. Sie handeln von der Kunst des Kriegsführens und den Fertigkeiten des Kriegers. Quellen aus dem 12. Jahrhundert berichten von Jüngern Buddhas, die auf ihren Wanderschaften über den Himalaja die geheime Lehre des Kalari nach China brachten und dort die Tradition des Shaolin begründeten. Wenn man genau die verschiedenen Techniken beobachtet, kann man viele Parallelen zwischen indischer und chinesischer Kampfkunst erkennen, zwischen Kalari und Kung-fu. Um das Wesen dieser Kampfkunst zu verstehen, habe ich sehr viele Jahre üben und meditieren müssen.“</p>
<p>„Ich habe noch nie etwas von Kalari gehört.“ Ungläubig schüttelte Gilda den Kopf. „Aber ich habe gesehen, wie Sie in Peccia gekämpft haben. Es war unheimlich, ja fast unnatürlich…. Sie sagten auch etwas von modernen Waffen“</p>
<p>„In der Röhre ist nicht nur das Bandschwert, sondern auch ein zusammengelegtes Gewehr für Scharfschützen.“</p>
<p>„Meinen Sie, daß sie diese Waffen benützen müssen?“</p>
<p>„Vielleicht.“</p>
<p>Eine kleine Träne lief über die Wange von Gilda, als sie sich zu Hologo vorneigte. „Ich bin irgendwie beruhigt, wenn Sie da sind. Andererseits habe ich große Angst davor, was noch passieren wird.“  Abrupt stand sie auf und ging zum Fenster. „Er ist weg.“</p>
<p>Hologo sprang auf und lief zu Gilda hin. Der Mann war verschwunden. Nur die geöffnete Tasche stand noch an derselben Stelle.</p>
<p>„Gilda, hören Sie mir jetzt genau zu. Ich werde Sie für einige Zeit allein lassen. Schließen Sie die Zimmertür gut ab. Wenn ich zurückkomme, werde ich erst dreimal, dann zweimal klopfen. Öffnen Sie in der Zwischenzeit  niemandem die Tür, egal wer es ist.“</p>
<p><a title="Rattenblut Folge 11" href="/rattenblut-folge-11/">Rattenblut Folge 11</a>
</p>
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